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Facettenreicher Tonschöpfer und Umweltpionier

Die Kompositionstechnik von Karl von Feilitzsch erschließt sich nicht auf den ersten Blick bei der Durchsicht des Notenmaterials. Nach genauem Studium, Einstudierung und Aufführung berichten jedoch Musiker und Dirigenten gleichermaßen begeistert von der Tiefe, Eindringlichkeit und Komplexität seiner Musik. Insbesondere seine Spätwerke verdienen eine zeitgemäße Wiederentdeckung, da sie nach wie vor als Brückenmedium von hoher gesellschaftlicher Relevanz dienen können!

Karl von Feilitzsch (1901–1981) ist als Schüler von Hermann Wolfgang von Waltershausen (1882–1954) musikgeschichtlich der „Münchner Schule“ und damit stilistisch der Spätromantik bzw. Postromantik zuzuordnen. Er entwickelte über die Zeit seine eigene expressive musikalische Sprache, in der er zwar tonal orientiert blieb, aber die Dissonanz weiter emanzipierte und sie als Ausdrucksmittel für die Disparatheiten der modernen Welt und die Dramaturgie seines Musiktheaters einsetzte. Seine Kompositionsmethode stütze er auf ein „Dissonanzentabelle“, die verschiedenen Schärfegrade organisierte. Seine Dissonanzenharmonik wirkt einerseits in sich harmonisch, andererseits voller Spannung drängend, als wolle sie den Stress in der Seele des unter der wachsenden Geschwindigkeit des Lebens leidenden Menschen widerspiegeln.

In seiner künstlerischen Arbeit ging es ihm vor allem um psychologisch vertiefte und dramatisch eindringliche Darstellungen. Zentral war dabei seine Auseinandersetzung mit Tod, Gewalt und Faschismus. Sie wurde getragen von einem weit über die Musik hinaus gehenden Engagement für eine real gelebte Verantwortung im politischen und gesellschaftlichen Zeitgeschehen.

Als sein Hauptwerk betrachtete Feilitzsch das musikalische Drama „Apokalypse“ – ein packendes Werk, gedacht als Warnung vor Krieg, Atom-Katastrophe und Ökokrise. Entmenschlichung (durch Krieg) und Zerstörung der Natur (durch Umweltbelastung) sah Feilitzsch zeitlebens als zwei Seiten derselben Medaille. Das Werk mit Texten der (dem Evangelisten Johannes zugeschriebenen) „Geheimen Offenbarung“ entstand in der Art einer Kantate mit stark rhythmisierten Jazzelementen.

Der Bayerische Rundfunk übertrug die konzertante Uraufführung der „Apokalypse“ 1949 als „Musik gegen den Krieg“. Ein gleichnamiger Film von 1954, der unter seiner Regie entstand, vermittelt einen authentischen Eindruck seiner Interpretationsvorstellung – und hat aus heutiger Sicht nichts an Aktualität verloren. Ganz im Gegenteil!

Wiederaufführung eines Hauptwerks

Anlässlich des Gedenktages „100 Jahre Ende Erster Weltkrieg“ fand am 11.11.2018 im Herkulessaal der Münchner Residenz – erstmals seit der Premiere 1951 im Theater am Brunnenhof – die Uraufführung des Hauptwerks von Karl von Feilitzsch, „Apokalypse“, in der revidierten Fassung von 1972, statt. Es spielte das Orchester der KlangVerwaltung unter Leitung von Patrick Hahn.

Foto: Archiv KLANGWORK

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