Die Kompositionstechnik von Karl Feilitzsch (1901–1981) erschließt sich nicht auf den ersten Blick bei der Durchsicht des Notenmaterials. Nach tieferem Studium, Einstudierung und Aufführung berichten jedoch Musiker und Dirigenten gleichermaßen begeistert von der Tiefe, Dringlichkeit und Komplexität seiner Musik.
Feilitzsch komponierte in einer expressiven musikalischen Sprache, die zwar tonal orientiert blieb, aber die Dissonanz weiter emanzipierte und sie als Ausdrucksmittel für die Disparatheiten der modernen Welt und die Dramaturgie seines Musiktheaters einsetzte. Dabei entwickelte er eine Kompositionsmethode, in der er mithilfe einer „Dissonanzentabelle“ die verschiedenen Schärfegrade organisierte. Seine Dissonanzen-Harmonik wirkt einerseits in sich harmonisch, andererseits voller Spannung drängend, als wolle sie den Stress in der Seele des unter der wachsenden Geschwindigkeit des Lebens leidenden Menschen widerspiegeln.
In seiner künstlerischen Arbeit ging es ihm vor allem um psychologisch vertiefte und dramatisch eindringliche Darstellungen. Zentral war dabei seine Auseinandersetzung mit Tod, Gewalt und Faschismus. Sie wurde getragen von einem weit über die Musik hinaus gehenden Engagement für eine real gelebte Verantwortung im politischen und gesellschaftlichen Zeitgeschehen.
Als sein Hauptwerk betrachtete Feilitzsch das musikalische Drama Die Apokalypse. Das Werk vertont aus dem Text der (dem Evangelisten Johannes zugeschriebenen) „Geheimen Offenbarung“ nach Art einer Kantate mit stark rhythmisierten Jazzelementen als eindringliche Warnung vor Krieg, Atom-Katastrophe und Naturzerstörung. Der Bayerische Rundfunk übertrug die konzertante Uraufführung 1949 als „Musik gegen den Krieg“. Der Film von 1954, der unter seiner Regie entstand, vermittelt einen authentischen Eindruck seiner Interpretationsvorstellung.
Wiederaufführung eines Hauptwerks
Anlässlich des Gedenktages „100 Jahre Ende Erster Weltkrieg“ fand am 11.11.2018 im Herkulessaal der Münchner Residenz – erstmals seit der Premiere 1951 im Theater am Brunnenhof – die Uraufführung des Hauptwerks von Karl von Feilitzsch, Die Apokalypse, in der revidierten Fassung von 1972, statt. Es spielte das Orchester der KlangVerwaltung unter Leitung von Patrick Hahn.

Foto: Archiv KLANGWORK
